
"Den Interessen unseres Volkes wird nicht gerecht,
wer schon Amen sagt, wenn in Washington noch gebetet wird."
(Willy Brandt)
Die GRÜNEN mutieren zu den OLIVGRÜNEN, Kernkraft wird der neue Umweltschutz, die SPD verrät ihre entspannungspolitischen Grundsätze und wer auf eine Friedensdemo geht, muss feststellen, dass
unter dem Friedensbanner nicht für Frieden, sondern für Krieg (gegen Russland) demonstriert wird.
Die einzig mögliche und vernünftige politische Handlung um Krieg zu verhindern, nämlich Verhandlungen und Entspannungspolitik, sind offensichtlich keine Option für unsere derzeitige Regierung. Vielleicht ist das in Vergessenheit geraten: Wir hier in Europa können nicht einen Krieg gegen Russland führen und "gewinnen". Wir können hier nur gemeinsam mit oder gegen Russland untergehen.



Karte Eurasiens, um unsere geopolitische Situation ins Gedächtnis zu rufen...

Die Ampelregierung erscheint wie ein Club unreifer gehorsamer Transatlantikbrücken-Schüler, die, angefeuert durch unisono kriegstreiberische "Leitmedien", roboterhaft dem großen Bruder USA bei
jedem Eskalationsschritt folgen, scheinbar ohne einen Gedanken an die mittel- und langfristigen Folgen für Europa und die Welt zu verschwenden. Dabei rede ich noch nicht mal von der aktuellen
Energiekrise.
Was ist denn, falls Putin sich wider aller Wahrscheinlichkeit gegen den Einsatz seiner nuklearen Optionen entscheiden sollte, wenn "die Russen besiegt" sind? Wie stellen sich die Denker, die
gerade einen harten Kurs in Richtung Dritter Weltkrieg vorgeben, das denn vor? Und wer folgt auf Putin, falls der Druck aus dem Westen im Kreml "Erfolg" zeitigen sollte? Dieser Druck
ist jedenfalls nicht dazu angetan, einen sanfteren Kurs zu erwarten.
Ein Augenöffner war für mich vor Kurzem der Blick auf das Kapitel Gemeinsame Sicherheit im Grundsatzprogramm der SPD aus dem Jahr 1989. Das könnte man heute eins zu eins übernehmen und eine Kehrtwende hin zur Rettung Europas einleiten. Leider scheint nicht nur die SPD derzeit Lichtjahre davon entfernt.
Hier der entsprechende Ausschnitt.
Auszug aus dem Berliner Grundsatzprogramm der SPD
Beschlossen vom Programm-Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands am 20. Dezember 1989 in Berlin
geändert auf dem Parteitag in Leipzig am 17.04.1998
…
GEMEINSAME SICHERHEIT
Ost und West haben den Versuch, Sicherheit gegeneinander zu errüsten, mit immer mehr Unsicherheit für alle bezahlt. Kein Land in Europa kann heute sicherer sein als der mögliche Gegner. Jeder muß
also schon im eigenen Interesse Mitverantwortung übernehmen für die Sicherheit des anderen. Darauf beruht das Prinzip gemeinsamer Sicherheit. Es verlangt, daß jede Seite der anderen
Existenzberechtigung und Friedensfähigkeit zubilligt.
Gemeinsame Sicherheit bewirkt Entspannung und braucht Entspannung. Gemeinsame Sicherheit will Bedrohungsängste abbauen und die Konfrontation der Blöcke überwinden.
Unser Ziel ist es, die Militärbündnisse durch eine europäische Friedensordnung abzulösen. Bis dahin findet die Bundesrepublik Deutschland das ihr erreichbare Maß an Sicherheit im Atlantischen
Bündnis, vorausgesetzt, sie kann ihre eigenen Sicherheitsinteressen dort einbringen und durchsetzen, auch ihr Interesse an gemeinsamer Sicherheit.
Der Umbruch in Osteuropa verringert die militärische und erhöht die politische Bedeutung der Bündnisse und weist ihnen eine neue Funktion zu: Sie müssen, bei Wahrung der Stabilität, ihre
Auflösung und den Übergang zu einer europäischen Friedensordnung organisieren. Dies eröffnet auch die Perspektive für das Ende der Stationierung amerikanischer und sowjetischer Streitkräfte
außerhalb ihrer Territorien in Europa.
Im Bündnis muß der Grundsatz gleicher Souveränität gelten. Das Bündnis muß verteidigungsfähig, defensiv und entspannungsbereit sein. Der politische Wille muß über Militärstrategie, Militärtechnik
und wirtschaftliche Interessen der Rüstungsindustrie herrschen, nicht umgekehrt. Friede ist eine politische, keine waffentechnische Aufgabe.
Gemeinsame Sicherheit zielt auf die Abschaffung aller Massenvernichtungsmittel und eine drastische Verringerung und Umstrukturierung der konventionellen Streitkräfte bis hin zur beiderseitigen
strukturellen Angriffsunfähigkeit. Der Prozeß dahin soll durch begrenzte einseitige Schritte und Signale beschleunigt werden. Dazu gehört die erhebliche Senkung der Rüstungsausgaben, der Abbau
der Truppenstärken und ein allgemeiner Atomteststopp. Atom- und chemiewaffenfreie Zonen in Europa dienen der gemeinsamen Sicherheit. Wir wollen solche Zonen schaffen und sie auf ganz Europa
ausdehnen.
…
Das ganze Programm auf der Website der SPD.
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Stephan (Mittwoch, 21 Dezember 2022 17:41)
Derweil knallen in den Aufsichtsetagen der Rüstungsindustrie die Champagner-Korken...
https://www.nzz.ch/finanzen/ruestungsaktien-sind-verpoent-doch-die-kurse-steigen-ld.1716246