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Mein beruflicher Weg war von Anfang an geprägt von der Begegnung zwischen Mensch und Natur. Als tauchender Biologe habe ich meine Faszination für die Ursprünglichkeit des Lebens mit Studierenden, Forschenden und Schüler:innen geteilt. Heute begleite ich Menschen in Übergängen und in der Frage, wie sie sich selbst wieder als Teil der Natur erfahren können.
Das Entscheidende dabei: Die Arbeit macht die Natur. Ich setze und halte den Rahmen, in dem sich dein heiler Wesenskern in der stillen Wildheit der Natur zeigen kann und seinen Weg in dein Leben findet. In meiner Haltung verbinden sich Biologie, die Liebe zur Natur und zum Menschsein mit einer zutiefst menschlichen Spiritualität. Veränderung beginnt näher, als wir oft denken. Manchmal ist es nur dieser kleine Weg - vom Kopf ins Herz.
Als Meeresbiologe war es mir ein Anliegen, die stammesgeschichtlichen und ökologischen Zusammenhänge des Lebens nicht nur zu erklären, sondern erfahrbar zu machen. Auf der Suche nach Antworten auf die Frage „Was ist Leben?“ sind über die Jahre weniger Gewissheiten entstanden, dafür umso mehr Staunen. Heute richte ich meinen Blick auf das Menschsein und frage nach unserer eigenen Natur. Dabei erlebe ich, dass sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse und das, was wir in der Begleitung von Menschen erfahren, nicht widersprechen müssen, auch wenn es sich nicht immer messen lässt. Es gibt Wirkweisen, die sich eher erfahren als erklären lassen. Phänomene wie Resonanz, kollektive Prägungen oder ein feines Gespür für das, was „im Feld“ geschieht, sind für mich Teil dieser Erfahrung. Ich verstehe Biologie deshalb nicht als Gegenpol zur Spiritualität, sondern als einen möglichen Zugang zu einem größeren Ganzen.
Was sich nicht messen lässt, wirkt dennoch
Die klassische Wissenschaft sucht nach dem, was sich erfassen und belegen lässt. In der Arbeit mit Menschen, besonders in Naturritualen, begegnen mir jedoch immer wieder Wirkzusammenhänge, die sich dieser Logik entziehen und dennoch deutlich spürbar sind. C.G. Jung hat mit dem Begriff des kollektiven Unbewussten einen Zugang dazu beschrieben.
Ich selbst erlebe es als ein Ökosystem, ein feines Geflecht von Beziehungen, Resonanzen und Wechselwirkungen. Dieses „Feld“ wirkt nicht nur auf uns. Auch wir gestalten es mit – durch unsere Haltung, unser Denken und unser Handeln. Ob bewusst oder unbewusst: Wir sind immer Teil dieser Wechselwirkung. Die Frage ist nicht, ob wir wirken – sondern wie.
„Alles, was wir für uns selbst tun, tun wir auch für andere, und alles, was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.“
— Thich Nhat Hanh
Wenn ich im Wald, nach dem bewussten Übertreten meiner persönlichen, mit Bedeutung und Absicht aufgeladenen Schwelle, an dem Platz ankomme, an dem ich vier Tage und Nächte bleibe, beginne ich mit meinem ganz persönlichen Begrüßungs-Ritual: Ich pinkle nach und nach einen Kreis um meinen Platz. Ich wende mich an die Wesen des Waldes, teile mit, wie lange und mit welcher Absicht ich hier sein möchte und bitte um Erlaubnis und Gastfreundschaft. So spreche ich auch die Sprache der Tiere, indem ich meine Duftmarke setze. Dieses kleine Ritual zeigt, wofür meine Spiritualität steht: unmittelbar, verkörpert, ohne Trennung.
Mit dem Atem ist es ähnlich. Er bringt Sauerstoff in meinen Körper, den meine Zellen brauchen und trägt Kohlendioxid hinaus, das von den Pflanzen aufgenommen wird. Solange ich lebe, atme ich und bin so mit allen Mitwesen innig verbunden. Die Handlung, die ich in fast jeder Minute von Anfang bis Ende meines Lebens durchführe, ist also zugleich zutiefst heilig und vollkommen alltäglich.
sacred and profane
Was wir nach dem Zweiten Weltkrieg – zumindest in Teilen Europas – über Jahrzehnte als tragfähige Ordnung erleben durften, gerät zunehmend unter Druck: Menschenrechte, demokratische Prinzipien, Meinungs- und Bewegungsfreiheit und nicht zuletzt der Frieden. Gleichzeitig leben wir mehr und mehr in digitalen Wirklichkeiten, die unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Handeln prägen. Es gibt offensichtlich Handlungsbedarf. Doch wo liegt ein möglicher Weg?
Ich bin überzeugt, dass der Weg in eine lebensbejahende Zukunft über ein Zurück zu unseren Wurzeln führt.
Indem wir wieder unter dem Baum sitzen, unseren Hintern auf der Erde spüren und digital entgiften.
Unser System braucht nicht noch mehr Beschleunigung, sondern mehr Verbindung – zu Pflanzen, Tieren, Wasser, Erde und Luft.
Rituale helfen, unsere Natur gegebene Verbindung zu uns selbst freizulegen und zu vertiefen, um uns wirksam in unsere Kraft zu bringen.
Eines dieser Rituale ist die Visionssuche.
When we no longer know what to do, we have come to our real work and when we no longer know which way to go, we have begun our real journey.
— Wendell Berry, The real journey
Übergänge im Leben wurden bewusst gestaltet und rituell begleitet als Weg, in deine Kraft zu kommen und deinen Platz in der Gemeinschaft einzunehmen. Solche Übergangsrituale gab es weltweit. Nur wenige sind lebendig geblieben. Eines dieser Rituale ist die Visionssuche. Ein uraltes Menschheitsritual, das in den letzten Jahrzehnten wieder zugänglich gemacht wurde – auch für Menschen unserer Kultur. Steven Foster und Meredith Little haben diese Form der Visionssuche seit den 1970-er Jahren wesentlich geprägt. An ihrer School of Lost Borders habe ich gelernt.
Mit einer klaren Absicht gehst du in der Stille der Natur in Kontakt mit dir selbst und begegnest dem, was sich zeigen will. Das Bild des Lebensrades symbolisiert alle Aspekte der menschlichen Entwicklung und ist der sichere Boden, der diese Art der Selbstbegegnung trägt.
Begleitet wirst du dabei von einem dreiteiligen Rahmen, der mit einem Ende beginnt und mit einem Anfang endet.
Dazu lade ich dich herzlich ein.
Unser höchstes Ziel ist es, die Illusion des Getrenntseins zu überwinden.
Thich Nhat Hanh